Exklusive Sportwaffen aus Paderborn
„Passion for Precision“. Wieder einer dieser sinnigen Werbesprüche? Doch nach
Kenntnis der enormen Qualität und Fertigungstiefe von Andrew Holdens Unternehmen
wird klar: Er kann und will nicht anders. Warum, steht hier.
Wieder einmal habe laut Navi das Fahrzeug sein Ziel erreicht – und wieder einmal fragt sich dessen
Fahrer: „Wo isses? Wo werden denn hier Sportwaffen gefertigt?“ Erst beim zweiten Blick, zwischen gewerbefremden Unternehmen liegend, wird die schmale Zuwegung erkennbar. Eine Hinterhofwerkstatt?
Immerhin, das Gebäude ist wesentlich größer als die Durchfahrt erwarten lässt, wird aber auch nicht von
einschlägiger Reklame verziert. Nur ein kleines Klingelschild sichert die richtige Adresse ab. Schon ab dem Eingangsbereich stapelt sich Material – und völlig unversehens findet sich der Besucher in der Produktion wieder. Das Gebäude ist mit Werkzeug, Maschinen und Material anscheinend bis zum Dach ausgefüllt.
Andrew Holden redet anfangs kaum über seine Produkte, hinterlässt erst einen fast reservierten Eindruck. Als klar wird, dass der Besucher die CNC-Automaten durchaus von einem Dixi-Klo unterscheiden kann, taut er aber auf. Dann wendet sich das Blatt, und je schweigsamer der Besuch beim irrgartengleichen
Rundgang durch die Fertigung wird, um so mehr erklärt Andrew „Andy“ Holden, warum und was da gerade abläuft.
Fliegende Späne
Ein Automat fertigt momentan nur Verschlüsse, ein anderer Griffstücke. Die gleißende Helle des laufenden Lasergravierers erscheint durch dessen Schutzscheibe nur wie Zigarettenglut.
Fast alle vorstellbaren Motive und auch Schriftarten können, passendes Datei-Format vorausgesetzt, auf den Verschluss gelasert werden. Wieder andere Fertigungsgänge umfassen Schleifen und Polieren. Auch brüniert wird im Haus. Nur die Beschichtungen werden außerhalb vergeben. Beeindruckend ist selbst die Kleinteilefertigung. Beim Anblick der vielen Funktionselemente für die 1911-Typen wird klar, dass hier eine enorme Fertigungstiefe erreicht wird.
Wie tief, steht im Artikel zur Pistole. In einem automatisierten Kleinteile-Register stehen Schütten mit Verschlussfanghebeln und Magazinauslösern, es wimmelt vor den Augen des Betrachters von unterschiedlichen Flügel- und Handballensicherungen. In anderen Schütten finden sich Ausstoßer wie Federführungsstangen, Schlagbolzen und deren Halteplatten. Und es existieren Teile, die nicht zu einer M 1911 passen.
Andy Holden fertigt auch für Fremdmarken, bevorzugt für Modelle, die zwar noch in Gebrauch sind, aber nicht mehr gefertigt werden, also deren Ersatzteilversorgung klemmt. So finden sich unter anderem Verriegelungsstücke für die Sig P 240, oder Ersatzteile für Peters Stahl- oder KPS-Pistolen.
Wie es begann
Oder: Wie kommt ein gebürtiger Engländer zu einer dermaßen soliden Waffenfertigung in Deutschland? Grundlage war eine passende Ausbildung in der britischen Armee. Als diese 1989 begann Standorte abzubauen, blieb Andrew Holden hier und stieg bei Peters Stahl in die Fertigung ein. Nach einiger Zeit
stellte sich für ihn die Frage aller Lehrlinge, die schon längst mehr als ihre Meister wollen: bleiben oder gehen? Anfangs stand eher die Verbesserung des Systems 1911, erst nach und nach wurde ein Werkzeug- und Maschinenpark aufgebaut.
Und der ist sein Ding. O-Ton: „An meinen Maschinen hänge ich. Viele Chefs fahren dicke Autos. Die kosten nur viel Geld, und der Spaß…? Ich fahre meinen alten Land Rover, und kaufe mir lieber eine neue Maschine. Damit produziere ich Sachen, die so sind, wie ich es richtig finde, die viel länger als Autos halten, und ich verdiene damit mein Geld, das macht mir Spaß.“
Was unausgesprochen blieb, wird beim Betrachten der Kleinteile klar. Beispiel: der mit kaum sichtbaren
Mulden hergestellte Verschlussfanghebel. Die Druckkugel des Sicherungsstiftes rutscht mit nur noch geringem Widerstand dorthin, wo sie hingehört. Wer einen eigenen Maschinenpark hat, kann auch rasch seine eigenen Ideen umsetzen, und auch die eigenen, sehr engen Fertigungstoleranzen bestimmen.
Haben ist besser als brauchen
Jemand wie Andy Holden, der gerne etwas herstellt, tut es auch. Das wird im üppigen Teilelager offensichtlich. Dort warten fast fertige Verschlüsse, Griffstücke und Läufe auf den Kunden, dessen
Wunsch sie zu dieser so, oder jenen etwas anders konfigurierten Pistole
werden lässt. Holden: „Das sind die wesentlichen Teile für gut 100 Pistolen… na ja, es können auch 150 sein…“ Aha! Just in Time? Das funktioniert auch in Corona bedingten Materialengpässen prima.
Wenn sich jemand wie Andy Holden die Zeit nehmen kann, und die Dinge schon längst hat. Haben tut er auch einen Stamm qualifizierter Mitarbeiter, die diese Preziosen zusammensetzen. Ob es an seiner miltärischen Ausbildung liegt, dass selbst Kleinwerkzeug an diesen Arbeitsplätzen wie auf dem Exezierplatz ausgerichtet griffbereit, aber in immer erkennbar gleichem Schema dort hängt oder liegt?
Was an einem der Arbeitsplätze auffiel, war eine 1911-Type, welche wohl zuviel Anabolika bekam. Aber
diese Variante im Kaliber .460 Rowland, oder ein 6“-Wechselsystem für originale Sig P 210 sind andere Geschichten…
Text: Robert Riegel
Mehr zu Holden Custum Guns unter
(www.holden.de).







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